In der Theatergruppe für russischsprachige Erwachsene „LUDI“ kommen Menschen unterschiedlichen Alters, sowie mit verschiedenen Hintergründen und Herkünften zusammen.
In den zwei Jahren ihres Bestehens sind bereits zwei Stücke entstanden: „Heimat“ und „Die Mutter der Mutter meiner Mutter“, beide basierend auf dokumentarischem Material.
Nun wagt die Gruppe erste Schritte in Richtung Fiktion: Märchenfiguren begegnen sich in unerwarteten Konstellationen, um archetypische Klischees und Verhaltensweisen zu reflektieren.
Das Theaterstück wird auf Russisch aufgeführt.
Libretto
Ein Stück über Abgrenzung und Achtsamkeit, über Vertrauen und Erschöpfung – und natürlich über die Liebe.
Mit Nadja Astankova, Ilya Belozerov, Alina Eifert, Elena Grilihes, Vlad Leschenko, Irina Moiseeva, Dmitry Shilov, Inna Skowel, Tanja Voskoboinikova, Olga Wachholz, Katerina Zhadko
Regie Polina Solotowizki
Theaterpädagogik Ivan Borisov
Kostüme Ekaterina Zhadko
kurz gefasst
1. Episode: Die weise Eule und Rotkäppchen
Am Waldrand lebt eine alte, kluge Eule. Sie versteht die Sprache des Waldes und bringt den jungen Tieren alles bei: wie man Pilze findet, sich versteckt und auf die Natur hört.
Eines Tages bringen Tiere ihr ein kleines Menschenkind – ganz winzig, fast noch ein Baby – mit roter Mütze. Die Eule nennt sie „Rotkäppchen“. Vor unseren Augen wächst das Mädchen heran – erst ist sie ein neugieriges Kind, dann eine mutige Jugendliche.
Die Eule warnt sie vor Gefahren: vor Wölfen, Bären, falschen Wegen. Doch Rotkäppchen ist klug, stark und hört auf ihr Herz. Schließlich darf sie allein zum großen Waldfest “Ivan-Kupala” – aber nur, wenn sie vor Sonnenaufgang zurückkehrt.
2. Episode: Der Waldgeist (Leschij)
Tief im Wald lebt der Leschij – ein uralter Geist mit einem Bart aus Moos. Er hat viel gesehen: Menschen, die Bäume fällen, Tiere, die fliehen.Früher war der Wald friedlich – sogar ein Einhorn ließ sich blicken. Doch jetzt kommen die Leute mit lauter Musik, trampeln alles nieder, lassen Müll zurück.Beim Fest „Ivan Kupala“ wird es schlimm: jemand zertritt ein Nest, ein anderer bricht Äste ab. Der Waldgeist ist traurig und wütend zugleich.
Ein betrunkener Kaufmann verirrt sich, redet Unsinn, vertreibt den Waldgeist … und beginnt zu singe.
3. Episode: Die Hexe und der junge Mann
Früher war die Hexe eine schöne Prinzessin, aber ihr Prinz verließ sie für eine andere. Ihr gebrochenes Herz verwandelte sie zur eine Hexe.Seitdem lebt sie allein, umgeben von Kräutern und Magie.
Ein junger Mann taucht auf – etwas faul, aber mit gutem Herzen. Er wünscht sich, ein richtiger Prinz zu sein – nicht reich, sondern mutig und ehrlich. Die Hexe hilft ihm mit einem Zauberspiegel: In ihm soll er die Frau finden, die wirklich zu ihm passt – nicht perfekt, sondern freundlich, ehrlich, mit Humor.
Im Spiegel sieht er … die Hexe selbst! Vielleicht ist das der Anfang von etwas Neuem?
4. Episode: Der Wald und die Kriegerin
Der Wald ruft. Seine Stimme klingt schwach und traurig. „Ich kann nicht mehr … zu viele Straßen, zu wenig Stille.“
Eine junge Kriegerin hört diesen Ruf. Sie trainiert hart, kämpft gegen Wind und Regen. Doch kommt sie zu spät.
Kriegerin verspricht: „Ich pflanze neuen Wald, neues Leben. Es wird stärker, wilder, freier.“ Der Wind trägt ihre Worte davon – und die Hoffnung bleibt.
5. Episode: Der Kaufmann und Däumelinchen
Ein reicher Kaufmann reist durch ferne Länder, sammelt Schätze – Gold, Gewürze, Tänze. Doch dann entdeckt er etwas ganz anderes: ein winziges Mädchen, kaum größer als eine Blume. Däumelinchen. So zart, dass selbst der Wind sie wiegt. Er lädt sie ein: „Komm, ich zeig dich der Welt.“ Aber obwohl er alles hat – Schmuck, Seide – fühlt sich Däumelinchen wie in einem goldenen Käfig. In der Orangerie des Kaufmanns gab es eine Zauberblume, die alle Wünsche erfüllen konnte. Und Däumelinchen wünschte sich die Flügelchen, damit sie endlich frei sein könnte. Dann schließlich passierte es und sie flog weg.
Später begegnen sie sich noch einmal. Beide lächeln – nun sind sie alle beide frei.
6. Episode: Das Pferd und die Fee
Das müde Arbeitspferd sinkt auf die Wiese. Es sieht aus, als hätte es keine Kraft mehr.
Da erscheint eine fröhliche Fee voller Energie. Alle rufen nach ihr, jeder will etwas: ein Wunsch, ein Rat, ein bisschen Magie.
Als das Pferd zu Boden fällt, wird es still. Keiner hilft. Nur die Fee bleibt. Sie versucht, es zu beleben – aber ihre Magie reicht nicht. Auch sie wird müde.
Da wacht das Pferd plötzlich auf. Es reicht der Fee eine kleine Tasse. Sie nippt – Tee! Sie lächeln, trinken gemeinsam..
Zum Schluss bereitet jeder im Wald einen heilenden Kräutertee zu – mit Oregano, Thymian, Salbei, Minze, Brennnessel … Waldmedizin für Körper und Seele.
Gemütlich beisammen, Herz an Herz, sitzen sie im Kreis, trinken duftenden Kräutertee und lachen und erzählen weitere Geschichten. Der Wald atmet auf…. Aber das ist schon eine andere Geschichte….
























